Ulrich Jarke ist seit zwanzig Jahren Parkleiter im Schlosspark Wiesenburg. Die Wassermeisterei hat bei ihm die erste Bodenfeuchtesonde der Region verbaut. Wir sind auf ein Gespräch mit dem ersten Wassermeister des Hohen Flämings vorbeigekommen.
Was bekommst du in deinem täglichen Tun als Parkleiter über die Situation in der Landschaft im Klimawandel mit?
Wenn man täglich mit dem Park, mit der Natur arbeitet kriegt man das am Ende deutlich mit, dass die Extreme einfach stärker werden. Du hast entweder zu viel oder zu wenig Wasser, du hast kaum Frost, wir mussten teilweise die Arbeiten im Winter verändern, weil die Wege nicht benutzbar waren. Wir müssen die jetzt richtig oft wieder aufschütten, weil sie so oft weggespült werden. Das war all die Jahre davor nie ein Problem. Dürre und Trockenheit werden spürbar stärker und die Windereignisse ebenso.
Was denkst du ist die Zukunft hier im Schloss Wiesenburg im Angesicht der Klimakrisenauswirkungen?
Das glaubt mir zwar keiner so richtig, aber ich denke das ist Fakt: wir werden in zehn Jahren keine alten Bäume hier mehr haben. Die werden alle weg sein. Die alten Buchen gehen krachen. Viele Eichen auch, alte Naturdenkmäler. Birken gibts fast keine mehr im Park, die sind weg. Wir verkaufen als Park ja auch Brennholz, aus dem Holz das wir entnehmen müssen. Und auf einmal können wir keine Birke mehr liefern im nächsten Jahr, einfach weil keine mehr da ist. Das geht so rasant. Ich habe seit drei Jahren Listen angefertigt, welche Bäume wir wegnehmen, welcher Art, sind sie halbtot oder schon ganz hinüber? Wie verläuft der Schädigungsprozess? Dieser Winter ging noch, der davor war extrem, wir haben fast nur Totholz rausgeschnitten. Früher haben wir lebende Bäume im Winter geschnitten um Sichtachsen herzustellen, gerade fällen wir nur noch tote Bäume.
Ist das, was du hier beschriebst, ähnlich in anderen Parks im Bundesgebiet? Und was machen Parks, um mit dem sich wandelnden Klima umzugehen?
Wir haben den Sonderfall, dass wir hier teilweise Schichtenwasser haben, wir sind also eigentlich noch etwas besser dran als viele andere Teile der Landschaft hier. Im Park Sanssoucis zum Beispiel würde ich sagen sind die Probleme nochmal deutlich schlimmer, da sie andere Bodenverhältnisse haben. Wir haben hier noch verhältnismäßig gute Bedingungen, und die Bäume sind ja auch dran gewöhnt. Die Veränderung die jetzt da ist, die extremen Trockenphasen, die wirken sich natürlich aus. Aber fest steht zum Beispiel, dass Buchen in Brandenburg kein Zukunftsbaum mehr sind.
Und die Aufgabe eines Parks ist es ja, schöne Bilder zu produzieren. Und was nimmst du anderes wenn du keine Buchen mehr nehmen kannst? Im Park gibt es immer noch das Thema Historie. Du weißt, hier stand immer eine Scheinzypresse, und du setzt genau in den Stubben eine Scheinzypresse wieder rein. Dann ist das Bild genauso wie es ursprünglich geplant war. Es ist eine sehr schwere Aufgabe in einem sich wandelnden Klima diese Bilder zu erhalten. Ich stelle in Frage, ob es Sinn macht an bestimmten Stellen die gleichen Pflanzen immer wieder nachzupflanzen. Unsere Strategie ist deshalb also selbst aussäen und kultivieren und auszuprobieren. Wenn man Baumschulware kauft werden die Pflanzen verschult und haben keine Pfahlwurzel mehr. Diese Pfahlwurzel ist entscheidend, deswegen ziehen wir selbst.
Bei Eichen ist es so, dass es da viele verschiedene Arten gibt, die teilweise sehr viel besser noch an Trockenheit angepasst sind. Aber bei Buchen gibt es kaum andere Arten. Es gibt die orientalische Buche, die kommt in Bulgarien und der Türkei vor, da habe ich mir ein paar Pflanzen organisiert. Kann aber auch sein, dass die mit dem Frost nicht klarkommen und auch abkrachen. Das weiß momentan aber keiner. Esskastanien sind ein sinnvoller Klimabaum und die haben wir schon ausgesät. In Kuhlowitz gibt es drei schöne alte Bäume, da holen wir uns immer Saatgut.
Und auf der Ebene der Parkpflege müssen wir natürlich auch handeln. Wir haben einen neuen Wasserwagen letztes Jahr gekauft, der den Namen Durstlöscher bekommen hat, ein Anhänger mit großem Wassertank, der 2000L fasst und einer guten Pumpe mit bei, so können wir viel schneller Wasser an die Pflanzen bringen und das ist auch nötig. Dieser Wasserwagen hat den Namen Durstlöscher bekommen, was auch dick und fett drauf steht. Die Parkbesuchenden machen Kommentare dazu und so kommt man auch nochmal ins Gespräch über Themen wie Trockenheit und Klima.
Wo ist die Bodenfeuchtesonde der Wassermeisterei bei euch auf dem Gelände verbaut und wie hilft sie euch bei eurer Arbeit?
Die Bodenfeuchtesonde haben wir an einen Baum gemacht, der sehr krank ist und bei dem es Sinn macht für uns, genau zu wissen wie es ist aktuell um die Bodenfeuchte um ihn herum steht, um genau reagieren zu können. Tendenziell könnte ich mir vorstellen, dass man an verschiedenen Standorten im Park so ein Gerät hat, einfach weil die Standortbedingungen sehr unterschiedlich sind. Die Bodenfeuchtesonde Ist eine gute Unterstützung für das Gefühl, ob es genug Wasser gibt, oder eben nicht. Im Winter kam sie auch noch mal ungeplant an den Tisch, als ein Mitarbeiter auf Grund der Bodentemperaturverhältnisse noch nicht aussäen wollte, mein Gefühl mir aber sagte, dass das schon geht und die Bodenfeuchtesonde, die ja auch Bodentemperaturen anzeigt, uns zeigen konnte, dass es tatsächlich schon in Ordnung war auszusäen.